Meine Therapeutin meinte kürzlich, ich könnte doch ein Buch schreiben.  Das wäre gut für die innere Ruhe.  Ha, innere Ruhe.  Kurzgeschichten könnte ich zu Papier bringen, die seien nicht so lang, sagt sie, die würden gerne gelesen werden.  Und schon gehen die Probleme los.  Kurzgeschichten.  Was heißt denn „kurz“.  10 Minuten auf dem Behandlungsstuhl beim Zahnarzt dauern gefühlt wesentlich länger als 10 Minuten mit der Freundin beim Sektchen.

Und jetzt sitze ich hier und überlege, was sich in meinem Leben bisher zugetragen hat, wofür sich der Rest der Welt interessieren könnte.  Ok, das mit dem Rest der Welt ist möglicherweise etwas dick aufgetragen, aber „Klappern gehört zum Handwerk“, das wusste man schon im Mittelalter.

Heute wird ja nicht mehr geklappert, sondern geplappert.  Mit viel Plappern verdienen sich in den sozialen Medien Influencer und Influencerinnen sagenhafte Summen, wie man so hört und liest.  Ok, Zeiten ändern sich, da muss man einfach neidlos offen für Neues sein, aber wenn eine junge, hübsch geformte Frau mit Schmuselippen und Push-Up Brüsten Handy-Aufnahmen ins Netz stellt, in denen sie über ihre täglichen Arbeiten in ihrer Wohnung spricht, während im Hintergrund des Reels der Wäschekorb überläuft und sie mir erklären will, wie man seinen Schrank aufräumt, indem sie die neue Louis Vuitton Tasche von rechts unten nach links oben stellt, dann wünsche ich mir das Mittelalter zurück.

Na ja, Social Media gehört eben jetzt zum Leben.  Sie hat sich langsam eingeschlichen und mittlerweile etabliert, selbst bei uns älteren Menschen.  Die jüngere Generation hat uns zweifelsohne dabei geholfen, indem sie uns ihre abgelegten Smartphones aufgedrängt und uns die nötigsten Funktionen erklärt hat.  Wir haben uns natürlich herzlich bedankt, obwohl wir auch lieber das aktuellste IPhone benutzen würden, aber wir wollten ihre Gefühle nicht verletzen.  So sind wir eben, wir, die allein durch unsere Geburt schuldbehafteten Boomer.  Aber es gibt uns, damit muss die Jugend fertig werden.  Sie darf nicht verzweifeln.  Notfalls muss sie sich therapeutische Hilfe holen.  Ich habe da eine Adresse.  In diesem Sinne, bis bald!