Die Lage ist ernst. 

Olaf, mein ehemaliger Nachbar, hat den Ernst der Lage am eigenen Auge erfahren.  Es begann damit, dass er ein tränendes Auge hatte.  Selbstverständlich dachte er, ich warte mal ein paar Tage ab, vielleicht regelt sich der Tränenfluss von selbst.  Aber nein, dem war nicht so.  Aus seinem linken Auge lief mehr Wasser als damals aus beiden Augen, als ihn seine Jugendliebe verließ.  Olafs Anruf in der Hausarztpraxis seines Vertrauens bescherte ihm den Hinweis auf ein Produkt zum Reinträufeln in sein Auge und in der Apotheke konnte er sich dieses für 16,45 Euro besorgen.  Leider haben die Tropfen zwar das Ziel, also das Auge getroffen, aber nicht geholfen, Olafs Auge tränte immer noch.  So merkte er, dass er wohl nicht an einem Termin beim Augenarzt vorbeikommen würde und rief in einer ihm empfohlenen Praxis an.  Nach Beantwortung aller persönlichen Fragen des laufenden Tonbandes rief tatsächlich am nächsten Tag eine Dame aus der Praxis zurück, um Olaf zu fragen, ob er schon in der Apotheke war.  Komische Frage, dachte Olaf, bejahte jedoch und benannte die ihm empfohlenen Augentropfen.  Die Dame meinte, die Tropfen seien eigentlich gut und er solle weiter träufeln und wenn es überhaupt „nicht mehr ginge“, möchte er sich wieder melden, sie hätten erst wieder in acht Wochen einen Termin frei.  Das Gespräch wurde freundlich beendet. Olaf dachte nach.  Er erinnerte sich, dass er vor einigen Jahren mit dem gleichen Problem zweimal in einer anderen, etwas weiter entfernten Augenarztpraxis war und diese nach einer schmerzlosen, kurzen Behandlung jeweils zufrieden verließ.  Also rief er dort an und konnte die Dame am Apparat von der Dringlichkeit seines Anliegens überzeugen.  Er bekam einen kurzfristigen Termin und bedankte sich.  Während der Arzt die Augen mit der Spaltlampe (so nennt man wohl das Gerät) anschaute, meinte er, Olaf sei ja nicht sein Patient, und dann ziemlich vorwurfsvoll, "Sie hätten sich in ihrem Alter schon längst einen Augenarzt suchen müssen".  Daraufhin sagte Olaf, er sei doch jetzt sein Patient und er würde das auch gerne bleiben.  „Nein, das geht nicht,“ meinte der Arzt, „wir nehmen keine Patienten mehr auf.  Und für Kassenpatienten stehen sowieso schwierige Zeiten an.  Aber das ist von der Politik ja so gewollt.“  Er schickte Olaf das Rezept auf seine Kassenkarte und verabschiedete sich.

Hier meine Frage:  Wird Olaf einen Augenarzt finden, der noch Kassenpatienten aufnimmt oder soll er sich mit seiner Jugendfreundin versöhnen?