Heladería Coromoto
Gestern haben wir wieder Schach gespielt, Olaf, mein ehemaliger Nachbar, und ich. Normalerweise reden wir dabei nicht so viel, aber Olaf war wieder mal in seiner „früher war alles besser“-Stimmung, weil sein Neffe beim Gähnen keine Hand vor den Mund hält und vermeintlich gleich ein Heuwagen reinfährt. „Olaf,“ hab‘ ich gesagt, „reg dich doch nicht so auf, es ist eben heute auch in der Erziehung vieles anders. Die Welt hat sich in deinen denkenden 60 Jahren verändert. Da musst du mitwachsen. Früher hast du mit Karteikarten und Faxgeräten gearbeitet und drei Durchschläge in die manuelle Schreibmaschine gesteckt. Heute hast du einen Computer, der deine Schreibfehler korrigiert. Das ist doch prima. Und selbst denken musst du bald auch nicht mehr, das macht die KI für dich. Dann hast du viel mehr Zeit zum Chillen und für die Eisdiele. Dort gab‘ es früher die Sorten Erdbeere, Vanille und Schokolade, das war’s und heute kannst du dich zwischen Heladería Coromoto und Essbare Tonerde mit Keks entscheiden. Langsam hellte sich sein Gesicht wieder auf und er lachte sogar, als ich eine Sache erwähnte, die ich früher auch besser fand, nämlich, dass Männer mit dickem Bauch Hosenträger trugen und man sich nicht fragen musste, von was der Gürtel unter dem Bauch noch gehalten wird. Olaf hat mir wieder die Dame geklaut.